Mobiler Hochwasserschutz

BDJ-Veranstaltung vom 7. Mai 2015

Mobiler Hochwasserschutz: Risikomanagement für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen

Vorstellung und Praxiseinsatz eines mobilen Deichs in Herborn am 7. Mai 2015

Starkregen, Hochwasser und Überflutungen haben nicht nur in Deutschland in den letzten Jahren Milliardenschäden verursacht. Zerstörte Produktionsanlagen und Gebäude sowie finanzielle Schäden aus Betriebsunterbrechungen sind die Folgen und haben gezeigt, dass der Einsatz von neuen, wirkungsvollen Flutschutz-Systemen notwendig geworden ist.

Als einer der führenden technischen Industrie-Versicherungsmakler lud BDJ Anfang Mai Risiko-Fachleute und Entscheider in der Versicherungswirtschaft ein, um ihnen mit dem mobilen Deich ihres Geschäftspartners Mobildeich GmbH eine effiziente Lösung für den mobilen, temporären Hochwasserschutz vorzustellen. Der Einsatz des Mobildeichs ersparte vielen Unternehmen bereits große Schäden, so zum Beispiel dem MDR, der das Landesrundfunk-Gebäude in Magdeburg im Juni 2013 damit geschützt hatte

Nach einigen Begrüßungsworten von Robert von Bennigsen, Geschäftsführender Gesellschafter von BDJ, gab Reinhard Vogt vom Hochwasser Kompetenz Centrum in Köln einen Überblick über mobile Hochwasserschutzsysteme. Für ihn stellt das Thema Hochwasser ein weltweites Zukunftsthema dar – Klimaforscher prognostizieren eine Zunahme der Anzahl und der Intensität extremer Wetterereignisse, die zu Überschwemmungen führen können.

Bei den mobilen Hochwasserschutzsystemen – die stationäre Schutzmaßnahmen ergänzen oder gegebenenfalls ersetzen können – wird zwischen aufschwimmenden Systemen, Dammbalken- und Klappsystemen, Sandsacksystemen, Behälter- und Bocksystemen sowie sogenannte Schlauchsystemen unterschieden. Zu den schnell mit Sand, Wasser oder Luft befüllbaren Schlauchsystemen zählt auch der Mobildeich. Bei allen übrigen Systemen sind umfangreiche Aufbauarbeiten, regelmäßige Übungen und eine umfangreiche Logistik notwendig.

Um es an einem Beispiel festzumachen: 100 Meter Deich soll mit einem Meter Höhe in einer Stunde errichtet werden. Dafür werden 14 000 Sandsäcke benötigt, für den Transport 47 Lkws. Für einen mobilen Deich benötigt man lediglich einen Pkw mit Anhänger und dementsprechend viel weniger Lagerfläche und Helfer für den Aufbau.

„Alle Systeme versprechen vom Grundsatz her das Gleiche – die Zertifizierung ist jedoch entscheidend“, so Hochwasserexperte Reinhard Vogt. Zum Thema Zertifizierung von Deichsystemen war Bettina Falkenhagen von der VdS Schadenverhütung GmbH eingeladen. Der VdS strebt eine Zertifizierung aller mobilen und immobilen Systeme an, um für Versicherungsunternehmen eine vereinfachte Risikoeinschätzung zu gewährleisten.

Dr. Walter Wagenhuber, Geschäftsführer der Mobildeich GmbH, machte zusammen mit Cornelius Toussaint vom CONDOR Sicherheitsdienst das Referententeam komplett und stellte das Mobildeichsystem und seine Erfahrungen damit vor. Um einen konkreteren Eindruck von der Wirkungsweise eines Mobildeiches zu bekommen, fand nach den Kurzvorträgen eine Live-Vorführung des Mobildeiches statt.

Das System Mobildeich ermöglicht in kürzester Zeit einen Hochwasserschutz von bis zu 2,60 Meter Höhe ohne zusätzlichen Materialtransport und ohne Einsatz von schwerem Gerät. Seine Schläuche können ausgerollt und dann sofort mit Wasser befüllt werden. Der Mobildeich benötigt keine feste Installation vor Ort, ist flexibel und daher an beliebigen Orten einsetzbar. Mit einer Geschwindigkeit von ca. 100 Metern pro Stunde können vier Personen einen Mobildeich errichten. Mobilität und vor allem Wiederverwendbarkeit des Mobildeichs sind im Vergleich zur Sandsacklösung – die später als Sondermüll entsorgt werden müssen – ökologisch und ökonomisch vorteilhafter.

Nach rund fünf Stunden in Hessen verließen alle rund 30 Beteiligten eine beeindruckende BDJ-Veranstaltung.

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